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Museumsfreunde im Fahrradfieber

Plau am See, den 15.04.2017

Seit Monaten sind Plaus Museumsfreunde im Fahrradfieber. Jetzt wollen sie auch die Besucher ihres wundervollen, weil außergewöhnlichen Refugiums auf der Burg anstecken. Das sollte eigentlich ein Leichtes sein: Mit Start in die Saison eröffneten sie an Gründonnerstag nicht nur ihre ständige Ausstellung „Technik des 19. Jahrhunderts“, die noch ausgefeilter und um die eine oder andere Kostbarkeit erweitert aus dem Winter kam. Auch die Sonderausstellung „200 Jahre Fahrrad“ mit historischen Rädern von 1817 bis ca. 1930 präsentieren sie nun.

„Einfach Klasse“, schwärmte Wolfgang Waldmüller. Der CDU-Landtagsabgeordnete ist begeistert von der Arbeit der Museumsfreunde und unterstützt sie deshalb schon seit Jahren. „Ich kenne keine andere Einrichtung, in der in Eigeninitiative so viel Tolles geschaffen wird.“ Rüdiger Hoppenhöft, auch er ein begeisterter Mäzen des Burgvereins, ist voll des Lobes: „Eine wunderbare Idee, diese Sonderausstellung zum Thema Rad. Da zeigen sich einmal mehr Einzigartigkeit und Kreativität dieses Museums und der Menschen, die hinter ihm stehen. Alles, jede einzelne Maschine, die hier steht, funktioniert. Ich denke, das macht den Reiz und das Geheimnis ihres Erfolgs aus.“

Womöglich liege es daran, dass das Museum anders ist, hatte Dieter Ehrke, einer der Gründerväter, formuliert. „Wir sind begeistert. Die Fachleute kritisieren, dass einiges ganz anders gemacht werden muss. Aber unsere Besucher sind angetan. Nur darauf kommt es an.“ Zahlen, so Ehrke, interessieren nicht. Und er nannte auch keine. Stolz aber sagte er, dass 2016 so viele Besucher wie noch nie im Burgmuseum begrüßt werden konnten. Das zurückliegende Jahr sei ohnehin ein gutes gewesen. Auch, weil die mittlere Etage des Burgturms mit Hilfe von Fördergeldern erneuert werden konnte. Und nun noch mehr zieht.

Ziehen wird auch die Sonderausstellung. Da sind sich die Museumsfreunde sicher. Als ihnen klar war, dass sie am deutschlandweit begangenen Fahrradjubiläum (12. Juni) nicht vorbeikommen würden (und es auch nicht wollten) schwebte ihnen was Kleines vor. Bilder vielleicht. Vielleicht würden sie auch ein paar alte Räder auftreiben können. „Mit der Unterstützung von gleich drei namhaften Museen, die uns historische Räder als Leihgaben zur Verfügung stellen, hatten wir wirklich nicht gerechnet“, gesteht Roland Supra. Nur eines war anfangs sicher: Mit Albrecht Reisch hatten die Museumsfreunde den „Meister der Holzkunst“ (O-Ton Dieter Ehrke) in den eigenen Reihen. Und diesen Trumpf spielten sie aus. Reisch baute das Urmodell von Laufraderfinder Freiherr von Drais gleich zweimal nach (wir berichteten). Als Dieter Ehrke ihm im Namen aller Museumsfreunde gestern auch ganz offiziell dafür dankte, sagte   Reisch „Hier bei uns gibt eben jeder sein Bestes, jeder langt zu.“

Wer das Museum kennt und seine Entwicklung verfolgt hat, wird sich zwangsläufig die Frage stellen, woher die 30 ehrenamtlichen Museumsfreunde das Herzblut, die Zeit, die Liebe und den Enthusiasmus für all das nehmen. Sie haben Spaß daran! Soviel steht fest. Oder wie es Dieter Ehrke auch angesichts fehlenden Nachwuchses nicht treffender hätte formulieren können: „Lieber Gott, lass uns noch ein paar Tage leben. Wir haben noch soviel vor.“ Das stimmt, und als erstes ist die Glasvitrine in der „Fahrradecke“ dran. „Die wollen wir bis zu unserem Fahrradfest am 11. Juni noch mit Utensilien rund ums Fahrrad bestücken. Einiges haben wir in unserem Fundus. Für den Rest hoffen wir, dass sich in Plauer Kellern und auf Speichern im Umland noch viele gut erhaltene historische Stücke finden, die uns die Besitzer als Spenden oder Leihgaben überlassen“, wirbt Supra. Und Dieter Ehrke hatte eingangs schon verraten , dass für nächstes Jahr der Aufbau einer antiken Zahnarztwerkstatt geplant ist. Ernst Godzian, Hotelier und Chef des Plauer Fremdenverkehrsvereins: „Sagenhaft diese Truppe. Als Unternehmer weiß ich, welche Klimmzüge all das erfordert. Museen gelten allgemein ja als Schlechtwettertipp. Ich lege meinen Gästen unser schönes Burgmuseum gern auch bei Sonnenschein ans Herz.“