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Bitter: Aus für Plauer Tierstation – Quelle: https://www.svz.de/18445676 ©2017

Plau am See, den 29.11.2017

Monatelang haben Plaus Tierschützer für den Erhalt ihrer Tierstation gekämpft, sich gegen die Auflösung ihres Vereins gestemmt. Vergeblich. „Alle Versuche sind ins Leere gelaufen. Mitte Dezember wird die Tierstation geschlossen“, kündigt Uta Kaßler, die letzte Vorsitzende, jetzt das nahende Ende einer wichtigen Institution in der Region an.

Gefallen waren die Würfel Mitte Oktober, als die Mitgliederversammlung mehrheitlich beschlossen hatte, den Verein aufzulösen. Nicht etwa, weil die Mitglieder und vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter die Lust am Tierschutz verloren hätten. Nein. Unter der Führung seines früheren Vorsitzenden Joachim Jahnke war der „Tierschutzverein Plau am See und Umgebung e.V.“ in finanzielle Schieflage geraten. Offene Rechnungen stehen da im Raum, von wiederholten Bargeldabhebungen vom Vereinskonto, für die der Ex-Vorsitzende bis heute keine Belege vorweisen kann, ist die Rede, von 20 000 Euro, die Jahnke hinterzogen haben soll… (wir berichteten). Die Summe der Schulden genau zu deklarieren, scheint nicht möglich. Dazu fehlen Unterlagen. Die hatte der frühere Vorsitzende beizeiten an sich genommen und erst im Zuge einer richterlich angeordneten Hausdurchsuchung im Juni herausgegeben.

„Wir müssen von 30 000 bis 40 000 Euro Schulden ausgehen“, sagt Uta Kaßler. Wegen der Höhe der Schulden, mit der der Verein letztlich auch bei vielen Händlern und langjährigen Partnern der Region in der Kreide steht, ist inzwischen das Insolvenzverfahren eröffnet worden. „Anfangs hatten wir gehofft, das Geld auftreiben zu können, über Spenden und Sponsoren“, räumt Uta Kaßler ein, musste diesen Traum aber begraben. „Inzwischen haben uns sowohl Tierschutzverband als auch Insolvenzverwalter zu diesem Schritt geraten.“

 

Die Vorsitzende (und nicht nur sie) ist traurig ob dieser Entwicklung. „Es tut einfach sehr weh. Seit 1994 haben sich viele Leute im Verein und in der Station für den Tierschutz engagiert. Jedes Stück Holz hier haben wir selbst gebohrt, jeden Draht selbst angebaut. Die Mitarbeiter haben ihr Herzblut in die Station gesteckt, wofür ich jedem einzelnen an dieser Stelle danken möchte. Und nach noch nicht mal einem Jahr schafft es Herr Jahnke, all das platt zu machen.“

Die Ermittlungen gegen den Ex-Vorsitzenden sind noch nicht abgeschlossen, teilte gestern die Pressestelle der Schweriner Staatsanwaltschaft auf Nachfrage mit. Und das irritiert. Denn dass Joachim Jahnke, der sich offensichtlich wieder in Richtung alte Heimat aufgemacht haben soll, womöglich ungeschoren davonkommt, wäre nicht nur für viele Vereinsmitglieder eine nur schwer auszuhaltende Vorstellung. „Der Mann hat bei uns in Größenordnungen Geld hinterzogen und den Verein auf dem Gewissen. Dafür muss er zur Rechenschaft gezogen werden“, sagt Uta Kaßler. Kritiker hoffen auf Recht und Gesetz – auch weil aus Jahnkes privaten Umfeld zu erfahren war, dass er im Badischen ebenfalls Vereine in die Pleite getrieben haben soll.

Für Plau und Umgebung sind Vereinsauflösung und Aufgabe der Tierstation unendlich bitter und ein herber Verlust. Immerhin wurden hier am Rande der Stadt jedes Jahr rund 150 (ausgesetzte, verwaiste und kranke) Katzen aufgenommen und vermittelt, ebenso ca. 30 bis 40 Hunde. Hinzu kam die Betreuung von in Pension gegebener Tiere. „Die werden auch weiter anfallen“, prophezeit Uta Kaßler und fragt in gleichem Atemzug, „wo sie künftig bleiben?“ Die Stadt kümmere sich zwar um Hunde. Aber es gebe eben auch ein geltendes Fundtiergesetz. „Und da stehen auch Katzen drin“, so Uta Kaßler. Der harte Kern der Plauer Tierschützer sieht die Stadt zweifellos in der Pflicht. Darüber hinaus ist er aber auch selbst auf der Suche nach was Neuem. Wie das aussieht und wo es entstehen könnte, ist im Moment offen. „Doch einmal Tierschützer, immer Tierschützer. Wir lassen die Tiere auf keinen Fall im Stich“, kündigt Uta Kaßler weiteres Engagement an.

– Quelle: https://www.svz.de/18445676 ©2017