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Bote Ihrer Majestät, der Rose

Plau am See, den 10.02.2018

Der Plauer Verein „Wir leben“ lud zu einem Vortrag von Rosenzüchter Thomas Proll von „W. Kordes` Söhne“ in das Klüschenberg Hotel ein

Er hilft Königinnen auf die Welt: Thomas Proll, studierter Gartenbauwissenschaftler heute Züchtungsleiter der renommierten Rosenschule „W. Kordes’ Söhne“ . Wer immer bei seinem Vortrag im Plauer Klüschenberg Hotel dabei war, konnte sich mühelos vorstellen, wie dieser Übervater der Rosen ab Mai an den Beeten steht, um seine frisch herangewachsenen Zuchtpflänzchen zu prüfen. Würde sich die weitere Züchtung lohnen oder eben nicht? „Rosen töten“, sagt Proll dazu, sei eine der ersten und schwersten Aufgaben, die der Züchter lernen müsse. Nur sehr wenige der Versuchspflänzchen schaffen es in den ohnehin schon dicken Verkaufskatalog der Firma, halten den strengen Anforderungen an Gesundheit, Schönheit und Duft stand.

Der Einladung des Plauer Vereins „Wir leben“ folgte Proll zum zweiten Mal. Kordes ist fester Partner des Vereins, ja, stand gewissermaßen Pate, als der heutige Vereinsvorsitzende Marco Rexin seine Idee, Plau das Image einer Rosenstadt zu verleihen, zu verwirklichen begann (wir berichteten). Nun, zum zehnjährigen Jubiläum der Initiative, kehrt Proll ein weiteres Mal als reisender Rosenbote nach Plau zurück. Sein Vortrag sei der Auftakt der Veranstaltungen, die der Verein anlässlich seines Jubiläums über das Jahr verteilt plane, so Rexin.

Mehr als einhundert Gäste sind zusammengeströmt, darunter Mitglieder der Rosenvereine MV und Brandenburg, der Landfrauen und natürlich einzelne Interessierte. MV ist Gartenland und wer liebt Rosen nicht? Der Verein greift die Passion noch in anderer Form auf. „Ich möchte die Bürgerinnen und Bürger gerne ein bisschen betüddeln“, sagt Rexin in seiner Ansprache augenzwinkernd. Daher biete der Verein unter anderem „Rosenfahrten“ an, zum Beispiel nach Holland oder auf die Insel Mainau. Anmelden und Mitfahren sei noch möglich, wirbt Rosenkavalier Marco Rexin.

 

Thomas Prolls heutiges Thema ist der Rosenduft. Er ist Legende ebenso wie die Schönheit der Blüte. Dass die Rose auch sticht und unseren Tastsinn wenig erfreut, sei hier nur am Rande erwähnt. Jedenfalls – sehen wir eine Rose, versenken wir auch schon die Nase in sie. Ein Reflex. Aber nicht alle Rosen duften. Und auch nicht jede historische Rose, erklärt der Rosenfachmann, habe Duft verströmt. Heute aber sei es charakteristisch, dass Schnittrosen aus dem Verkauf meist nicht oder kaum duften, denn sie seien auf lange Haltbarkeit hin ausgelegt. Das wiederum bedeute, dass die Pflanze so wenig vom Reifegas Ethylen ausscheide, dass auch die für den Duft entscheidenden ätherischen Öle blockiert seien. „Haltbarkeit und Duft gehen nicht zusammen“, lautet das Resüme des Fachmanns. „Rosengesundheit und Duft allerdings schon.“ Und in der Tat: Studiert man den Katalog der Firma Kordes, so stößt man immer wieder auf die Darstellung dieser beiden wichtigen Zuchtkriterien.

Alle Details des Power-Point gestützten Vortrags können an dieser Stelle naturgemäß nicht wiedergegeben werden. Das Publikum wird mit prächtigen Bildern prächtiger Rosen verwöhnt, die der Referent einzeln mit nicht ermüdender Begeisterung kommentiert. Ganz zu Anfang präsentiert er ein Bild der symbolischen „Mutter“ aller Kordes-Rosen, die auch zur Ahnfrau großer Züchtungserfolge in Frankreich oder England wurde, der „Crimson Glory“ aus dem Jahre 1935. Neben all den Rosenbildern lässt sich aber auch ein Fotodokument aus den 50er Jahren bestaunen: Konrad Adenauer, Bundeskanzler und stringenter Weichensteller der Westpolitik, hatte zugleich ein weiches Herz für Rosen, hegte und pflegte sie bei seinem Haus in Rhöndorf. Das Foto zeigt den Kanzler und Rosenfreund zusammen mit Wilhelm Kordes, dem Gründer der Firma.

Besonderes Gewicht legt Thomas Proll auf die Schilderung seiner Zusammenarbeit mit der Apothekerin und Parfümeurin Claudia Valder. Seit 2012 beschnuppert sie neue Züchtungen und entwirft Duftporträts der Kopf-, Herz- und Basisnote eines Rosendufts in einer blumigen Sprache, die an die Charakterisierung von Weinen erinnert. Im Katalog der Firma Kordes kann man die beschrifteten Duftkreise der Parfümeurin etwa zu Rosen der Serien „Parfuma“ oder „Klettermaxe“ studieren.

Der ausführliche Vortrag fand großen Anklang. Am Ende beantwortete Chefzüchter Thomas Proll auch noch Fragen aus dem Publikum. Großen Dank zollte Marco Rexin im Namen des Vereins für diesen über zweistündigen Einsatz eines der immerhin weltbesten Rosenzüchter.

– Quelle: https://www.svz.de/19040581 ©2018

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Bote Ihrer Majestät, der Rose