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König der Lüfte über dem See

Karow, den 27.07.2018

Flach wie ein Brett soll er am Himmel gleiten und mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,50 Metern die Mecklenburger Landschaft auf Suche nach fetter Beute unsicher machen. Nur derzeit, da tut sich manch ein Seeadler etwas schwer. „Bei den Temperaturen sind die Adler etwas behäbig“, so Ranger und Ornithologe Frank Hänsel, der zusammen mit seinem Kollegen Henry Fritz die Seeadlerstunde leitet. Vom Karower Meiler aus geht es an diesem Mittwochmorgen zuerst unter einen echten Adlerhorst, der samt ausgestopften Tieren mitten im Ausstellungssaal thront. Hier wird eingewiesen in die Welt des herrschaftlichen Flugwesens. 16 der 600 Brutpaare deutschlandweit leben im Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide. Er frisst leidenschaftlich gerne „Wassergeflügel und Fisch“, desweiteren kann „ein erfahrener Jäger eine Graugans im Flug greifen“, so Frank Hänsel. Zwischen zwei und drei Eier legt das Adlerweibchen, Jungtiere erkennt man an der dunkleren Schnabelspitze. Apropos Jungtier: „Ich habe erst gestern einen Seeadler in der Hand gehabt“, ließ Ranger Henry Fritz die staunenden Gäste an seinem interessanten Job an der frischen Luft teilhaben. Die Hitze hatte das Adlerjunge, wohl völlig ermattet, aus dem Horst gekickt. Im zweiten Part der Seeadlerstunde ging es für einen Teil der mit 25 Anmeldungen doch sehr großen Gruppe Richtung Moorochsen, die anderen verschlug es, passend zum Thema, zum Aussichtsturm „Seeadler“ am Krakower Obersee. Hier an der Glaver Koppel, im ältesten Teil des Naturparkes, wurden in einigen Metern Höhe Feldstecher und Kamera aus den Taschen gezogen, mit dabei auch Almut Keilhack aus Braunschweig. Was sie so faszinierend an dem Jäger findet? „Ich liebe sie. Sie sind toll, groß und selten.“ Seit Wendezeiten macht sie schon Urlaub in der Region. Früher wurde mehr gesegelt, nun eher gecampt. „Es ist ein kleines Hobby von mir. Beim campen schaue ich immer, was so herumpiept und herumfliegt“. Am heutigen Vormittag war es doch recht still am Krakower Obersee, Höckerschwäne und Enten zogen bei bestem Wetter ihre Bahnen, Libellen und Kaisermäntel umschwirrten die Blüten, weiter hinten wurde die Orchideenwiese gezeigt. Seeadler? Weit und breit nichts; „das ist eben Natur“, wie Henry Fritz feststellte. Doch da muss jemand wohl Mitleid gehabt haben: kurz nach elf Uhr Ortszeit ein Brett am Himmel, mit entspanntem Flügelschlag segelt es Richtung Süden. Hat sich doch noch gelohnt, die etwas länger gezogene Seeadlerstund – Quelle: https://www.svz.de/20542727 ©2018

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: König der Lüfte über dem See