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Von der Überflutung zur Dürre

Plau am See, den 18.07.2018

Regen hat kein Preisschild. Genauso wenig wie Sonne und Luft. Sie verursachen weder Kosten, noch kann man sie verbrauchen. Ökonomen bezeichnen sie als freie Güter. So lernte es auch Frank Hertel-Mach aus Plau am See, als er bis 1992 an der Universität Rostock studierte. Doch zurzeit erinnert ihn das Wetter daran, dass Regen im doppelten Sinne frei ist: Frei von einem Preis und frei davon zu fallen.

Hertel-Mach ist Landwirt. Der Diplom-Agraringenieur führt einen Ackerbaubetrieb mit Mutterkuhhaltung. Auf seinen Feldern wachsen Weizen, Gerste, Raps und Mais. Dazu kommen große Flächen mit Kleegras.

Wäre 2018 ein normales Jahr, dann würde Hertel-Mach seinen Klee gerade zum zweiten Mal ernten. „Anfang Juni wäre der erste Schnitt gewesen, jetzt mindestens der Zweite“, sagt er. Doch die Dürre zerstörte die jährliche Routine.

 

Noch im April konnte sich der Landwirt vor Wasser kaum retten. 60 Liter Regen fielen auf den Quadratmeter. Seine Maisfelder standen unter Wasser. „Ich habe sogar einen Graben gezogen, damit das Wasser besser ablaufen kann“, sagt er. Im Mai folgte ein radikales Kontrastprogramm. Aus 60 wurden neun Liter. Aus der Überflutung wurde Wüste. Die Temperaturen stiegen und pegelten sich bei 30 Grad ein. „Wir hatten nicht einmal ordentlichen Morgentau. Selbst in der Nacht war es so warm, dass in der Früh die Feuchtigkeit fehlte“, sagt Hertel-Mach.

Das Ergebnis sieht der Landwirt auf seinen Äckern. Der Weizen leidet. Die Ähren hängen schlaff zur Seite. „Auf vielen Feldern sieht man dunkelgelbe Stellen. Dort sind die Pflanzen schon abgestorben“, erklärt er.

Die Körner sind so mager, dass die Schählmaschine sie nicht verarbeiten kann. Dreimal so groß müssten sie sein. Die kleinen Pflanzen verstärken die Dürre zusätzlich. Wo dünne Weizenhalme stehen, fällt nur wenig Schatten. Das wiederum steigert die Trockenheit, weil die Sonne ungehindert auf den staubigen Boden knallt. Ein Teufelskreis.

Nur mit dem Mais hatte Hertel-Mach den richtigen Riecher. Zwar sind auch diese Pflanzen kleiner als üblich. Zwei Meter hoch, statt der üblichen drei bis vier. Doch im Vergleich zu anderen Feldern ist das hoch. „Ich habe den Mais drei Wochen eher gelegt, als andere. Das zahlt sich nun aus. Doch auch meine Maiskolben werden klein ausfallen, im Vergleich zu den Vorjahren“, sagt er.

Die Dürre zeigt: Landwirtschaft wird zum Hochrisiko-Geschäft. Das Wetter ist unberechenbar. Die Weltmarkt-Preise schwanken zuverlässig. Das Finanzamt verlangt auch bei Missernten Steuervorauszahlungen und die Pächter wollen ihren Anteil. „Die staatlichen Beihilfen für die Landwirtschaft waren früher mal als Zusatz gedacht, heute würden die Landwirte ohne sie nicht mehr überleben“, sagt der Plauer.

300 000 Euro investierte Frank Hertel-Mach dieses Jahr in seinen Betrieb. Er macht sich wenig Hoffnung: „Das wird ein Verlustjahr, da bin ich mir sicher.“
 

– Quelle: https://www.svz.de/20463727 ©2018

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Von der Überflutung zur Dürre