Mehrere Jahre Haft für Angeklagte
Vier Jahre und sechs Monate Haft für den Angeklagten Michael M. (40) wegen Steuerhinterziehung von insgesamt 282 150 Euro in drei Fällen und der Anstiftung zur Brandstiftung. Drei Jahre und sechs Monate Haft für Daniel S. (27) wegen Brandstiftung - so lauten die Urteile des Schweriner Landgerichts, die gestern gesprochen wurden. Beide Angeklagten konnten dennoch als vorerst freie Männer das Gerichts gebäude verlassen.
Staatsanwalt Thomas Bardenhagen hatte zuvor noch zehn Jahre und sechs Monate für Michael M. und fünf Jahre und drei Monate für Daniel S. gefordert (SVZ berichtete). Doch im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft sah das Gericht bei Michael M. nur die Anstiftung zur Brandstiftung vom 6. Januar 2012 auf dem Gelände des Reisedienstes Parchim auf Grund von Indizien als gegeben an. Für die anderen Brände am 13. (Plauerhagen) und 28. Februar (Plau) sowie am 6. März (Plauerhagen) und 19. September 2011 (Plau) reichen nach Ansicht des Gerichtes unter Vorsitz von Uwe Fiddeke die Indizien nicht aus und so ist "im Zweifel zugunsten des Angeklagten zu entscheiden". Dazu komme, dass "das Gericht den Hauptbelastungszeugen nicht glaubte" und auch der Brandsachverständige im ersten Fall am 13. Februar 2011 eine technische Ursache nicht ausschließen konnte. Hinweise seitens der Verteidigung, dass andere Täter in Frage kämen, sah das Gericht "als nicht erwiesen" an. Erschwerend kam in Betracht, "dass eine ganze Region in den Jahren 2011 und 2012 in Angst und Schrecken versetzt wurde."
Beim Brand am 6. Januar 2012 auf dem Gelände des Reisedienstes in Parchim reichten dagegen die Indizien für das Gericht aus. Hier soll Michael M. seinen früheren Angestellten Daniel S. zum Brand angestiftet haben. Dabei waren acht Busse sowie ein Carport den Flammen zum Opfer gefallen und der angerichtete Schaden beträgt rund eine Million Euro. Die Indizien waren einfach zu stark. Fußspuren vom Gelände des Parchimer Reisedienstes zu den Wohnblöcken Am Rabensoll haben Fährtenhunde verfolgt, dazu das Eingeständnis von Daniel S., dass er in der Nacht in Parchim gewesen sei. Zwar verneinte er, zur Tatzeit dort gewesen zu sein, doch das Gericht sah aufgrund von verschiedenen Indizien - wie aufgefundene Schuhe und diverse Mitschnitten von Telefonmitschnitten und Handy-Daten bei einer Hausdurchsuchung - die Sachlage anders.
Nach 14 Monaten Untersuchungshaft, die beide bisher in Bützow bzw. Waldeck absaßen, konnten beide gestern den Gerichtssaal als vorerst freie Männer verlassen. Mit Tränen wurden sie von ihren Angehörigen in die Arme genommen. "Ich bin froh, dass Michael vorerst frei ist und er für vier Brände frei gesprochen wurde. Ich glaube auch, dass auch der letzte Brand in Parchim nicht von ihm angestiftet wurde", so Vater Manfred M., der das Strafmaß kaum glauben kann. Auch die Eltern von Daniel S. sind froh, ihren Sohn in die Arme schließen und gemeinsam nach Hause fahren zu können.
Die Verteidigung sowie die Staatsanwaltschaft prüfen, ob sie in die Revision gehen. "Die Freisprüche zu den ersten vier Busbränden ist ein großer Erfolg. Die tatsächlichen Brandstifter saßen nicht auf der Anklagebank", so Verteidiger Dr. Peter-Michael Diestel. Auch Staatsanwalt Bardenhagen sieht in dem Urteil keine Niederlage oder Sieg. "Positiv ist, die Verurteilung zum fünften Brand in Parchim, das Gericht folgte den Indizien. Nicht befriedigend ist dagegen der Freispruch in den anderen Fällen", so der Staatsanwalt. Auf SVZ-Nachfrage bestätigte auch Bardenhagen, dass die ersten vier Brände möglicherweise offen bleiben, aber Hinweise auf andere Täter habe er nicht.
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